Zwischen Baggern und Blüten

160 Interessierte bei der Baustellenführung in Bad Salzhausen – Große Zustimmung Eigentlich hat Thorsten Nagel keine Zeit. Der Landwirt hätte auf dem Traktor sitzen müssen. Doch der Geiß-Niddaer hat in den vergangenen Tagen kritische Töne zur Landesgartenschau gehört und will sich bei der Baustellenführung in Bad Salzhausen sein eigenes Bild von den Entwicklungen machen. Nagel ist einer von rund 160 Personen, die sich am Donnerstag einer der zwei Gruppen anschließen und durch den Unteren Kurpark gehen. Bad Salzhausen und Gedern sind die eintrittspflichtigen Hauptaustragungsorte im Sommer 27. Und die Stadt Nidda ist wohl die Kommune in Oberhessen, die insbesondere das Förderprogramm „Lebendige Zentren“, priorisiert durch die Landesgartenschau, am intensivsten nutzt. Der Mehrwert zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Niddaer werden eine deutlich aufgewertete Kernstadt erleben, und das kleine Heilbad Bad Salzhausen erhält einen ordentlichen Impuls.
27.04.26 / Gemeinde Limeshain

Infrastruktur wird generalsaniert

Über eineinhalb Stunden nehmen sich die Verantwortlichen der Stadt Nidda und der Landesgartenschaugesellschaft Zeit, um die einzelnen Stationen zu zeigen und zu erläutern. Kurz gesagt: Das Gros der Infrastruktur des Unteren Kurparks wird generalsaniert. Darunter sind lang geplante, bislang jedoch nicht umgesetzte Projekte wie der Landgrafenteich – der derzeit entschlammt wird –, die Sanierung der Schwefelquelle und der Lithiumquelle, die erneuerte Toilettenanlage – die nahezu fertiggestellt ist – und vor allem die Trinkkuranlage.

Informationen aus erster Hand. 160 Interessierte wollen wissen, was sich verändert und später bleiben wird. Foto LGS

Die Stadt Nidda baut im Zuge der Landesgartenschau zudem den maroden Minigolfplatz in der Nähe der Kliniken zu einem Kneipp-Erlebnispark mit Adventure-Golf um. Adventure und Kneipp – passt das? „Wir wollen zeigen, dass Gesundheit, Entspannung und Unterhaltung zusammenpassen“, erklärt Martin Guth, Leiter für Kur und Touristikwesen, den Interessierten.

Spielbereich der Sonderklasse

Die erste Gruppe macht sich auf den Weg zur Minigolfanlage, die zur Adventure-Anlage umgebaut und zudem Kneipp-Schwerpunkt wird. Foto: LGS

Die Landesgartenschaugesellschaft errichtet eine große Spielfläche in der Nachbarschaft des Landgrafenteichs. Sie wird der größte der drei Spielplätze sein, die in Gedern, Büdingen und Bad Salzhausen entstehen. Das Mehr-Generationen-Areal für Jung und Alt ist in einen Motorik-, Kletter- und Balancierbereich sowie einen Ruhebereich unterteilt. Die Kinder können über drei Türme – ähnlich wie bei einem Baumwipfelpfad – eine Ebene höher gelangen. Für die Kleinsten gibt es in direkter Nachbarschaft einen eigenen Bereich. „So einen Spielbereich muss man im Umfeld suchen“, unterstreicht Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft.

Jeder Quadratmeter des Unteren Kurparks steht unter Denkmalschutz und befindet sich zudem im Heilquellenschutzgebiet. Alles, was hier dauerhaft verändert wird, muss genau abgestimmt werden und dem Parkpflegewerk entsprechen. „Ich kann hier nicht einfach ein Loch in die Erde machen und ein Fundament gießen oder beliebig einen Weg von A nach B verlegen“, erklärt Hellingrath. In der Nähe der Stahlquelle, an der großen Veranstaltungsbühne in Richtung Geiß-Nidda und an der Trinkkuranlage wird ein erfahrener Großgastronom während der 165 Tage für die Bewirtung sorgen.

An der Trinkkuranlage nagelt Nils Aßmus vom gleichnamigen Betrieb gerade Schieferschindeln auf das Dach der kleinen Bühne. Hier wird nach der aufwendigen Sanierung wohl die außergewöhnlichste Blumenschau entstehen, die es auf Landesgartenschauen je gegeben hat. Trinkkurhalle, Wasserturm, Werkstatt und Außenbereich werden von Meisterflorist Christopher Ernst im 14-tägigen Rhythmus mit neuen Arrangements inszeniert.

Hellingrath stichelt, Besucher applaudieren

Über 1.500 Veranstaltungen sowie zahlreiche gärtnerische, forstwirtschaftliche, landwirtschaftliche, kirchliche und künstlerische Beiträge werden die Gäste nächstes Jahr erleben können. Martin Guth blickt zum Abschluss noch einmal zu Thomas Hellingrath. „Thomas, du hast doch noch so einen einprägsamen Spruch …“ Der grinst und sagt trocken ins Mikrofon: „Wer hier in Oberhessen wohnt und noch keine Dauerkarte hat, der ist selbst schuld.“ Die Dauerkarten gibt es wieder ab Oktober. Die Gruppe applaudiert, viele bedanken sich im Weggehen, sind angetan von den Erläuterungen.

Landwirt Thorsten Nagel ist nach dem Rundgang überzeugt und rät allen Kritikern, sich besser zu informieren. Foto: LGS

Thorsten Nagel sitzt noch einen Moment auf einer Bank im Kurpark und lässt das Ganze nachwirken. Sein Fazit: „Nach dieser tollen Führung bin ich begeistert und würde jedem Kritiker raten, sich vom Stammtisch wegzubewegen und sich vor Ort zu informieren.“