Zeit für mehr Selbstbewusstsein
Lucia Puttrich, ehemalige Europaministerin: Gemeinschaftsgeist und Identität sind gefragt
Wenn Lucia Puttrich die Bühne betritt, verstummen die Gespräche, und die Blicke richten sich erwartungsvoll nach vorn. Man kennt und respektiert sie. Das mag an ihrer Ausstrahlung und ihrer Vita liegen. Die 65-Jährige aus Ober-Schmitten war die erste Vorsitzende des Vereins Oberhessen, CDU-Stadtverordnete, Bürgermeisterin in Nidda, Bundestagsabgeordnete, hessische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin sowie Europaministerin und vieles mehr. Eine Rolle fehlt in der Auflistung: „Ich bin ein Landei. Und ich bin stolz darauf“, sagte sie während der Jubiläumsfeier des Vereins Oberhessen zum 30-jährigen Bestehen und verteilte zugleich einen sanften Seitenhieb: Ein Wetterauer habe mal bemerkt, dass die Oberhessen wohl einen angeborenen Minderwertigkeitskomplex hätten. Darauf folgte der energische Hinweis: Nach 30 Jahren Verein Oberhessen und einem Jahr bis zur Landesgartenschau ist es Zeit für ein neues Selbstbewusstsein.
Puttrich erzählte von den Anfängen des Vereins Oberhessen. Eine Handvoll Pioniere hatte die Idee, das ländliche Gebiet gemeinsam voranzubringen und Kirchturmdenken zu überwinden. Sie trafen sich am 26. Oktober 1995 in Bad Salzhausen, um den Grundstein zu legen. Der Start war von Skepsis begleitet, nur wenige Kommunen machten mit. Andere fragten: Was bringt das überhaupt?
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